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Lodenerzeugung und Lodenfertigung

Quelle: Erich Palzer, Die Bauernlodenerzeugung in Hirschegg

Die Fertigung des Hirschegger Loden's im Rückblick
Über eine "Kettenwalze" waren die gesponnenen Fäden, die sogenannten "Kettenfäden", aufgewickelt und nach Abstufung vom hellsten Weiß, über Grau zu Schwarz in willkürlicher Anordnung gereiht. Gerade diese nicht ausgezirkelte Fadenanordnung gab dem Hirschegger Loden das charakteristische Gepräge des häuslichen Erzeugnisses und verlieh ihm eine besondere Eigenart außerhalb jeder Schablone.

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Es wurden natürlich nur handgesponnene Fäden verwendet, welche während der Winterzeit aus reiner Schafwolle gewonnen wurden. Die Fäden liefen von der Kettenwalze weg in zwei Ebenen zu langen Kämmen und bildeten so die beiden "Weberketten", durch deren Verknüpfung auf der anderen Seite der Kämme das Gewebe entstand.

 

Die Geschichte der Lodenfertigung in Hirschegg

Die Verwebung der Fäden der beiden Ketten geschah durch den "Schutzfaden", der auf der Rolle des "Schiffchens" aufgespult wurde. Das von der Hand des Webers geschleuderte Schiffchen glitt nun zwischen den beiden Ketten und zieht den sich abrollenden Schutzfaden mit sich. Mit dem Kamme eines "Anschlagers" wird der durchgezogene Schutzfaden an das bereits fertige Gewebe angepreßt (angeschlagen). Mittels zweier Fußhebel wird dann die gegenseitige Lage der Ketten vertauscht.

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Durch diesen Kettenwechsel ist der angepreßte Schutzfaden bereits verwebt, die einzelnen Kettenfäden durch den Schutzfaden verbunden. Mit dem Durchgleiten des Schiffchens nach der anderen Seite beginnt der ganze Vorgang neuerlich. Das auf dem Webstuhl fertiggestellte Gewebe hat einstweilen noch ein grobes, rauhes und ungeschmeidiges Gepräge. Das an die Eigenart englischer Stoffe erinnernde Aussehen erhält das Gewebe erst durch die Bearbeitung in den Walzwerken. Dort wird es unter Zusatz von heißem Wasser und Walderde solange gequetscht, gestampft und aufgerauht, bis es ein dichtes, weiches und geschmeidiges Gefüge erhält und sich leuchtend weißgrau ansieht.

Die Kunst des Walkers ist also entscheidend für das Endprodukt.

Er veredelt das schwere Wollgewebe mit Hilfe verschiedener Anlagen und in mehreren Arbeitsschritten auf eine Weise, daß sich die aus Schafwolle gesponnenen Fäden untereinander so "verfilzen", daß ein dichtes und gleichmäßiges Tuch entsteht.

Entscheidend ist, daß die Fäden gereinigt und gewaschen, sodann in hölzernen Trögen von schweren, hölzernen Hämmern gestampft und verdichtet werden. Dieser Vorgang spielt sich im Wasser ab, dem Zusätze wie Kernseife und Tonerde beigefügt werden. Nach dieser Prozedur wird der Loden gepreßt und schließlich im Freien zum Trocknen aufgehängt.